Was war noch mal ein Pop-Up-Radweg?

Die Coronakrise hat dafür gesorgt, dass in vielen Städten sogenannte Pop-Up-Radwege relativ unbürokratisch und innerhalb kürzester Zeit errichtet wurden. Dazu zählen große Städte wie Berlin, Hamburg oder München. Pop-Up-Radwege sind provisorisch auf der Fahrbahn errichtete Radwege. Oftmals sind sie als “protected Bike-Lane” ausgeführt, also durch Baken oder andere Baustellen-Absperrungen physisch von der Auto-Fahrbahn getrennt. Zu Deutsch hieße es geschützte Radspur. Sinnvoll, denn Farbe ist keine Infrastruktur und Bodenmarkierungen vielen Automobilist*innen völlig egal. Im Grunde ist ein Pop-Up-Radweg eine provisorisch eingerichtete geschützte Radspur.

Laut ADFC sollten protected Bike-Lanes mindestens zwei Meter breit sein und über einen 85 Zentimeter breiten Schutzstreifen zur Fahrbahnseite verfügen. Zwischen dem Radstreifen und der Fahrbahn sollten zum Schutze Poller oder ähnliches installiert sind, um ein Auffahren oder Parken von Autos auf der Radspur zu vermeiden. 

Die Idee zu den geschützten Radspuren kommt im Übrigen aus den USA und wäre laut ADFC eine sehr einfach und kostengünstig von vielen deutschen Kommunen umsetzbare Lösung. Zusätzlich werden die Radspuren zur besseren Erkennbarkeit auch meist in einer signalfarbe markiert. Das System habe den Vorteil, dass es zum einen günstig umzusetzen ist und zum anderen skalierbar und schnell erweiter- und weiterentwickelbar.

Welche Vorteile hat ein geschützter Radweg?

Ein geschützter Radweg hat viele Vorteile gegenüber der Fahrt auf der Fahrbahn, einem normalen Radweg oder einem herkömmlichen Radfahr- oder Schutzstreifen, ohne baulichen Schutz. Nehmen wir das Beispiel Berlin. In einer Studie des Tagesspiegels von 2018 hat man herausgefunden, dass in 56 Prozent aller Überholvorgänge von Autofahrer*innen gegenüber Radfahrer*innen, der seit April 2020 geltende vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten wurde. Im Schnitt waren 17 Prozent der Überholvorgänge enger als einen Meter! Ein Prozent der Überholvorgänge war sogar enger als 50 Zentimeter. Hier von motorisierter Gewalt zu sprechen, ist wohl angebracht. Solche Verhältnisse sorgen unweigerlich dafür, dass man sich auf den Straßen als Radfahrer*in nicht sicher fühlt. Nur Hartgesottene oder besonders erfahrene Radfahrer*innen trauen sich bei derlei Verhältnissen mit dem Fahrrad auf die Straße. 

Würden Radwege nun wirklich baulich von der Fahrbahn separiert werden, und wären diese auch für den motorisierten Verkehr nicht befahrbar und gut wahrnehmbar, würde das die Verkehrssicherheit aller erheblich verbessern.

Pop-Up- und geschützte Radwege würden zum Klimaschutz beitragen.

Ein nicht zu unterschätzender Punkt: Wenn Radwege signifikant sicherer werden, würden mehr Menschen ihr Auto stehen lassen oder gar verkaufen und aufs Rad umsteigen. Zwar hat Bremerhaven als Klimastadt für die Zeit nach 2020 keine definierten Klimaziele – das ist peinlich genug – dennoch würde eine für alle sichere und bequeme Infrastruktur auf kurz oder lang dafür sorgen, Menschen vom Auto aufs Fahrrad zu bekommen. Und das würde eine Menge CO2-Emissionen einsparen. Mit Blick auf den Klimawandel und die Verkehrswende wäre das für alle wünschenswert, Bremerhaven nennt sich doch vollmundig Klimastadt. Da wäre es rein objektiv betrachtet doch sinnvoll, nachhaltige Mobilitätskonzepte zu fördern!?

Ein Pop-Up-Radweg in Berlin.

Was kostet eigentlich ein Pop-Up-Radweg?

Die Kosten für ein provisorisch eingerichteten geschützten Radweg sind sehr überschaubar. Der Berliner Bezirk Friedrichshain beziffert die Kosten für einen Kilometer der provisorisch eingerichteten Radspuren mit rund 10.000 Euro. Zum Vergleich: Für den Ausbau der Berliner Stadtautobahn A100 fallen pro gebauten sechs Zentimetern die gleichen Kosten an. 

Ein geschützter Radweg kostet aber vor allem eins: Parkplätze und somit Platz für Autos. Und zwar eine ganze Menge. Denn wo einst Autos nach Belieben und häufig nahezu kostenfrei im öffentlichen Raum am Straßenrand abgestellt werden durften, dürften dann Fahrräder sicher entlangradeln. Automobilist*innen müssten dann weitere Fußwege, vom Parkplatz zum Bestimmungsort, in Kauf nehmen. Für viele eine schier unlösbare Aufgabe.

Wo würden sich Pop-Up-Radwege in Bremerhaven anbieten?

Geschützte Radwege sind insbesondere dort nötig, wo viel Verkehr herrscht, ob motorisiert oder nicht. Beispielsweise an Hauptverkehrsachsen in die Stadt rein und aus der Stadt heraus. Im Norden wäre hier beispielsweise die Stresemannstraße denkbar, die mit ihren teilweise fünf Richtungsfahrspuren mehr als ausreichend Platz für den Radverkehr bieten würde. Weiter ginge es über die Elbestraße, über den Elbinger Platz, entlang bis zum Ortsausgang über die Weserstraße in Wulsdorf. Letzterer Teil zumindest so lange, bis der neue Radweg am Lunedeich, vom Fischereihafen bis nach Wulsdorf, in einigen Jahren fertig ist. 

Eine weitere mögliche Achse wäre denkbar über die Schiffdorfer Chaussee und die Bohlenstraße bis nach Schiffdorf sowie einem Abzweig über die Carsten-Lücken-Straße nach Surheide. An der Schiffdorfer Chaussee könnte man in diesem Zuge gleich die für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen prekäre Situation an der Eisenbahnunterführung nahe der Feldstraße entschärfen.

Denkbar und nötig wäre auch eine Verlängerung des Radstreifens auf der Kennedybrücke weiter über die Columbus- und Barkhausstraße im Norden sowie den Elbinger Platz bis zum Anschluss auf die Weserstraße im Süden. Besser wäre hier noch eine separierte Führung über die Rudloff- oder die Bürgermeister-Smidt-Straße als Fahrradstraße. Doch warum das nicht geht, ist ein anderes, größeres Thema, was an anderer Stelle behandelt werden soll.

Eigene Meinung:

Es bleibt also abzuwarten, was in Bremerhaven passiert. Zwar will die Stadt weiterhin Klimastadt sein, die Förderung klima- und menschenfreundlicher Mobilität wird jedoch von politischer Seite blockiert. Stichwort: Fahrradstraße in der alten Bürger. Dabei ist das Problem beispielsweise bei den Mitarbeiter*innen im Stadtplanungsamt schon angekommen. Sie bemühen sich häufig, die für alle beste Lösung zu finden. Doch der Blick auf die politischen Machtverhältnisse macht es deutlich. Die große Koalition aus CDU, SPD und FDP fürchtet wahrscheinlich um ihre autofahrende Wählerschaft und versperrt den Weg in eine nachhaltige und für kommende Generationen lebenswerte Zukunft. Wozu auch an morgen denken? Der überwiegende Teil der Regierenden ist in dreißig Jahren sowieso tot.

Fotos: “Nicor” & “Supable”, jeweils CC Wikipedia 

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