Warum sind Fahrrad­tickets
so teuer?

Huckepack macht nicht nur als Kind Spaß. Auch im Erwachsenenalter setzen immer mehr Leute auf dieses eher unter Kindern verbreitete Spiel. Doch gemeint ist in diesem Falle eine ganz besondere Art von Huckepack. Hier trägt nicht der eine Mensch den anderen, sondern der Zug das Fahrrad. Im Artikel über intermodale Verkehrskonzepte wird Jonas Ehlers auf seinem Weg in die Hochschule begleitet. Auch er fährt huckepack. Doch was nach Kinderspiel und Spaß klingt, geht im Raum Bremen ganz schön ins Geld. 

Die Mitnahme eines Fahrrads im Bereich des Verkehrsverbunds Bremen Niedersachsen VBN kostet, wie anderenorts schon einmal erwähnt, 3,95 Euro für das gesamte Netz. Da kommt die Frage auf: Welche kosten entstehen denn für die Eisenbahnunternehmen und den Verbund, die diesen Preis rechtfertigen? Denn zum Vergleich: Ein Fahrradticket fürs gesamte Netz in Niedersachsen kostet lediglich 4,60 Euro. Hier wurde der Preis offenbar erst kürzlich von 5 Euro gesenkt! Ein Fahrradticket für den Nahverkehr deutschlandweit kostet schlappe 6 Euro. Und in einigen Verkehrsverbünden, wie dem Marego im Raum Magdeburg, ist die Fahrradmitnahme sogar gänzlich kostenfrei

Getreu dem Motto “Fracht motzt nicht, Fracht kotzt nicht.”, dürfte die Mitnahme eines Fahrrads keine allzu großen Kosten verursachen. Ein Fahrrad kotzt keine Sitzpolster voll, uriniert nicht neben die Kloschüssel und pöbelt auch kein Zugbegleitpersonal an.

Diese Frage kann nur der VBN selbst beantworten. Das tat er auch schriftlich, vertreten durch den Pressesprecher Eckhard Spliethoff. Leider wurde keine explizite Zustimmung zur wortwörtlichen Veröffentlichung der Antworten gegeben, deswegen wird hier nur sinngemäß zitiert.

Welche kosten entstehen bei der Fahrradbeförderung im Vergleich zur Personenbeförderung?

Auf diese Kernfrage antwortet Spliethoff nur allgemein. Die Kosten für den Fahrradtransport ließen sich nicht direkt beziffern. Im Allgemeinen ließe sich sagen, dass sich die entstehenden Kosten für den Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs aus verschiedensten Punkten zusammensetzten. Dazu gehörten beispielsweise Kosten für Fahr-, Werkstatt-, und Reinigungspersonal, Fahrzeuge oder Treibstoff. Um die Kosten, die den Verkehrsunternehmen entstehen, zu decken, reichten die Fahrgeldeinnahmen von Personen- und Fahrradbeförderung jedoch nicht aus. Eine Mitfinanzierung durch die Fahrgäste sei jedoch allgemein notwendig, also werde auch für die Fahrradmitnahme ein Entgeld erhoben. In Verbünden, in denen dies nicht der Fall sei, schieße die öffentliche Hand die Mindereinnahmen zu. In Niedersachen und Bremen sei dem nicht so, erklärt Spliethoff.

Zur Frage, ob angedacht ist, in Zukunft eine Fahrradmitnahme kostenfrei zu ermöglichen, verwies Spliethoff an die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen LNVG. Dies sei eine politische Frage. Was die LNVG dazu sagt, wird zeitnah hier berichtet.

Warum es beim Fahrradtransport keine Ermäßigung für Studierende, Schüler*innen oder Azubis gibt, sei einer Vereinfachung des Tarifsystems geschuldet. Je mehr Tarife es gibt, desto unübersichtlicher werde es, so Spliethoff.

Das Problem im RegionalExpress nach Oldenburg und Norddeich.

Eine weitere Frage brennt aber noch immer unter den Nägeln. Auf der Strecke von Bremen in Richtung Oldenburg und Norddeich Mole wird ein Stundentakt mit RegionalExpress-Zügen angeboten. Etwa um eine halbe Stunde versetzt verkehrt die langsamere Regio-S-Bahn, die an jedem Unterwegshalt Stopp macht. Die RegionalExpress-Leistungen werden jedoch nur zur geraden Stunde durch DB-Regio erbracht. Zur ungeraden Stunde werden die Leistungen durch DB-Fernverkehr gefahren. Die Züge verkehren dann unter InterCity- und RegionalExpress-Zugnummer zugleich und sind für Nahverkehrstickets freigegeben.

Das bedeutet im Klartext: Zur geraden Stunde fahren dort rote Doppelstockwagen, die den Belangen des Nahverkehrs angepasst sind. Zur ungeraden Stunde wird dort mit an den Fernverkehr angepassten Doppelstockwagen gefahren. Für Reisende ohne Fahrrad ist das positiv, bietet der InterCity gegenüber des Wagenmaterials des Nahverkehrs doch einen echten Komfortgewinn: verstellbare Sitze, Tische am Vierer, Klapptische an jedem anderen Sitz, ebenso wie Steckdosen. Für Reisende mit Fahrrad ist es jedoch ein echtes Problem. Denn was die Fahrradmitnahme angeht, sind die Züge eine Fernverkehrsleistung. Das bedeutet: Deutlich weniger Fahrradplätze, Fahrradmitnahme reservierungspflichtig. Und im Fernverkehr heißt das, dass man bis 17 Uhr des Vortags reserviert haben muss. Spontan zusteigen? Geht nur mit gutem Willen des Zugbegleitpersonals. 

Ein RegionalExpress verlässt Bremen Hauptbahnhof in Richtung Oldenburg. Im Hintergrund der weißer InterCity 2. Von außen unterscheiden sie sich kaum.

Eckhard Spliethoff erklärt dies, wie eben erwähnt, mit der baulichen Beschaffenheit der Fernverkehrszüge. Der InterCity habe deutlich weniger Stellplätze für Fahrräder als die RegionalExpress-Züge. Zudem seien die Konditionen vor langer Zeit zwischen der LNVG und der DB Fernverkehr AG verhandelt und abgestimmt worden und der VBN auch hier nicht zuständig. Auch hierzu wird berichtet, sobald sich die LNVG dazu äußern sollte.  

Nach eigenen Recherchen hat ein auf der Strecke in Richtung Oldenburg eingesetzter Fernverkehrszug vom Typ “InterCity2” nur neun Fahrrad-Stellplätze. Ein Doppelstockzug von DB-Regio verfügt über ein Vielfaches.

Doch Fragen kostet nichts! So schreibt die Deutsche Bahn auf ihrer Webseite, dass eine Fahrradmitnahme auch unter Umständen noch spontan möglich sei.

“Wenn Sie spontan zusteigen oder es kein DB Reisezentrum an Ihrem Halt gibt, können Sie die Stellplatzreservierung auch beim Zugbegleitpersonal kaufen, wenn noch freie Stellplätze vorhanden sind und der Zugbegleiter die Mitfahrt erlaubt.”

Eigene Meinung:

Wenn die Verkehrswende vorangetrieben werden soll, dann muss es den Fahrgästen so einfach wie möglich gemacht werden, umzusteigen. Und das meine ich ebenso wörtlich wie metaphorisch. Kurze Umsteigezeiten, aufeinander abgestimmte Fahrpläne und schnelle Verbindungen müssen Bahnfahren so bequem machen wie möglich. Eine unkomplizierte und günstige Fahrradmitnahme, um die “letzte Meile” zurückzulegen, ist dabei essentiell!

Wenn es möglich ist, der Autoindustrie beim was weiß ich wievielten Autogipfel im Kanzleramt weitere Milliarden Euro Soforthilfe zuzustecken, dann sollte es doch wohl auch möglich sein, eventuelle Verluste, die durch günstigere Preise im öffentlichen Nahverkehr entstehen, von staatlicher Seite zu kompensieren.

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